IRL statt virtuell: Blogger raus aus dem Netz ins echte Leben holen





IRL statt virtuell: Blogger raus aus dem Netz ins echte Leben holen


thinktank-pr.de.de
25.07.2019

IRL statt virtuell: Blogger raus aus dem Netz ins echte Leben holen

Eigentlich ist ein Blog per Defintion etwas Niedergeschriebenes im Internet. Dass das nicht immer so sein muss, bewies das Online-Modemagazin Styleranking mit der ersten Modeblog-Lesung im Rahmen seines FashionBloggerCafés. Das FashionBloggerCafé ist ein Blogger-Treffen, das Styleranking während der Berliner Modewoche bereits zum sechsten Mal veranstaltete. Organisator René Schwabe sprach mit dem ThinkTankPR-Newsletter über Ziele und Erfolge von Treffen und Lesung, den Umgang mit Bloggern und für welche Unternehmen sich derartige Veranstaltungen lohnen.


ThinkTankPR: Welche Ziele wollten Sie mit dem Blogger-Treffen und der Modebloglesung erreichen?

René Schwabe: Das FashionBloggerCafé dient in erster Linie zum Netzwerken. Wir wollen Modeblogger, Sponsoren, Presse und Vertreter der Modebranche zusammenbringen, und ihnen Gelegenheit geben, sich kennenzulernen und Ideen zu entwickeln. Wir machen das seit zwei Jahren, und seither ist das Café massiv gewachsen. In dieser Zeit sind viele Modeblogs aus dem Boden gesprießt, und sie sind immer wichtiger für die Branche geworden. Wir hatten dieses Mal 250 Blogger zu Gast.

Die Modebloglesung ist ein neuer Baustein in unserem Programm, zusätzlich zu Präsentationen und Panels. Anlass war, dass die meist hobbymäßig betriebenen Modeblogs zurzeit einen schlechten Ruf genießen. Es heißt, die Modeblogger seien im Vergleich zu Profi-Journalisten minderwertig und abhängiger, jede Marke hielte sich „seine“ Blogger, die ihnen nur nach dem Mund reden. Sie sind als „Modemarkenmasskottchen“ verschrien. Wir wollten zum einen beweisen, dass es in Modeblogs durchaus hochqualitative Texte gibt, die sich kritisch mit der Branche auseinandersetzen. Und zum anderen auch die Blogger dafür sensibilisieren, was für einen Ruf sie derzeit genießen und was man dagegen machen kann. Wir möchten sie motivieren, mehr Anspruch an die eigenen Texte zu haben, und auch frech zu sein und Mut zu haben.

 

Bloglesung in entspannter Atmosphäre.
Bloggerin liest vor Publikum
Fotos © styleranking

 

Für die Lesung hatten wir im Vorwege die Modeblogger aufgerufen, uns Texte einzureichen. Aus denen haben wir sieben ausgesucht, die dann live im Außenbereich vorgelesen wurden, überwiegend von den Autoren selbst. Im Anschluss gab es eine Diskussion über die Texte.

ThinkTankPR: Was empfanden Sie bei der Lesung als besonderes Highlight?

René Schwabe: Ich mochte alle Texte, sie waren von sehr unterschiedlicher Couleur. Aber es gab schon einen besonderen Moment, als es kritisch um das Thema Figur ging. Da habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen, und man merkte, dass viele im Publikum zugestimmt haben. Denn das Figuren-Ideal, das in der Medienwelt gerade im Bereich Mode forciert wird, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Das zeigt: Auch Hobby-Journalismus kann polarisierend und hochwertig sein. Die Grundvoraussetzung ist, dass die Blogger diesen Anspruch selbst erfüllen wollen. Dabei ist Subjektivität nichts Schlechtes.

ThinkTankPR: War die Lesung ihrer Meinung nach erfolgreich?

René Schwabe: Ich habe schon den Eindruck, dass diejenigen, die vor Ort waren, gesehen haben, dass man nicht alle Blogger über einen Kamm scheren kann, und die Blogger haben gesehen, was möglich ist. Natürlich war das nur ein kleiner Ausschnitt, aber ich glaube, wir haben einen Denkanstoß gegeben, und wir wollen mit den Lesungen weitermachen.

ThinkTankPR: Mal jenseits der Modebranche gedacht – für wen lohnt sich Ihrer Meinung nach die Organisation von Blogger-Treffen und Bloglesungen, für wen eher nicht?

René Schwabe: Es lohnt sich generell, mit Bloggern zu kommunizieren, denn sie sind näher am Konsumenten dran als Ressort-Journalisten. Blogger haben Meinungen, auf die man zurückgreifen kann, und daraus können Unternehmen lernen.

Ein BloggerCafé zu veranstalten lohnt sich für Unternehmen, die dafür ein konkretes Ziel vor Augen haben – wie in unserem Fall die Vernetzung. Man sollte nicht den Anspruch haben, damit Geld zu verdienen oder berühmt zu werden, aber den Wunsch, als Unternehmen mit Bloggern in einen Dialog zu treten.

ThinkTankPR: Was sind die wichtigsten Tipps, die Sie Unternehmen mit auf den Weg geben können, die Blogger-Treffen veranstalten wollen?

René Schwabe: Machen Sie es nicht zu inflationär, also nicht zu häufig, und nicht nur mit dem Ziel, Produkte anzupreisen. Nehmen Sie Blogger Relations ernst – denn der Blogger ist ein kritischer Konsument.

 

Portrait René Schwabe, Director Sales & Marketing bei styleranking.

René Schwabe ist Director Sales & Marketing bei styleranking.
Foto © styleranking



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