Krisen-PR im Sport: Ballacks verbale Attacke gegen den 1. FC Köln





Krisen-PR im Sport: Ballacks verbale Attacke gegen den 1. FC Köln


thinktank-pr.de.de
05.01.2018

Krisen-PR im Sport: Ballacks verbale Attacke gegen den 1. FC Köln

Auf Krise folgt Kommunikation. Doch wie kommuniziert man, wenn die Krise in den eigenen Reihen ihren Ursprung hat? Dieses Best Practice aus der Sport-PR zeigt, wie Glaubwürdigkeit und Einsicht einer Welle der Empörung entgegenwirken können.


Im März 2011 zog der Fußballprofi Michael Ballack Wut und Ärger vieler Fans auf sich, nachdem er mit Zuschauern im Stadion eine verbale Attacke gegen den 1. FC Köln ins Megaphon rief. So geriet auch Ballacks Verein, Bayer 04 Leverkusen, in das Zentrum des Grolls. Sportmedien und Fan-Foren berichteten und waren empört.Ballack brüllt ,,Sch… FC Köln”Fußball-Bundesliga Saison 2010/2011, Rückrunde: Nach dem Sieg von Leverkusen gegen Schalke 04 feierte Michael Ballack a uf dem Fan-Zaun in der Kurve und brüllte plötzlich ,,Sch… FC Köln” ins Megaphon.
Quelle: bild.de (2011)

Die Bayer-Fans waren begeistert. In Köln dagegen kam diese Verbal-Attacke sechs Wochen vor dem Derby zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln gar nicht gut an. Fans hatten mit Handy-Kameras ein Video davon auf YouTube geladen. 

Die Fans des 1. FC Köln laufen in verschiedenen Fan-Foren im Internet Sturm, sie beschweren sich sogar auf der Facebook-Seite des Kölner Spielers Lukas Podolski über Ballacks Aktion.

Die Konsequenz:
Ballacks Verhalten führte zu einem krisenhaften Ereignis, dem nicht nur medialer Ärger, sondern auch ein juristisches Nachspiel folgte. DFB-Chefankläger Dr. Anton Nachreiner: „Der DFB hat in der Sache ein Verfahren eingeleitet. Wir ermitteln wegen unsportlichen Verhaltens. Michael Ballack wird jetzt angeschrieben."

Krisenreaktion: Der Verein stellt sich hinter seinen Spieler. Als erste und absolut zielführende Krisenreaktion des Vereins Bayer 04 Leverkusen stellte sich der Kommunikationschef des Vereins, Meinolf Sprink, schützend vor Ballack: ,,Michael ist mehr Opfer als Täter. Der Vorsänger hat ihm die Worte vorgegeben — er wurde auf den Pott gesetzt." Auch Leverkusens Klub-Boss Wolfgang Holzhäuser versuchte den Schaden möglichst gering zu halten: „Michael wusste gar nicht, was er auf dem Zaun sollte. Wir arbeiten mit ihm und unseren Juristen nun eine Stellungnahme für den DFB aus"
Quelle: bild.de (2011)

Die Reaktion des Spielers Ballack:
Ballack reagierte sehr schnell. Bereits am Folgetag der ersten Veröffentlichung stellte er auf der Leverkusen-Homepage klar: ,,Es war sicherlich nicht klug von mir, den Spruch bezüglich des 1. FC Köln zu rufen. Aber dies kann in der Euphorie des Sieges schon einmal passieren, sollte es aber nicht." Ballack weiter: „Deshalb habe ich auch kein Problem damit, mich gegenüber den Fans des 1. FC Köln und dem Verein zu entschuldigen". Abgeschlossen wurde das Krisenthema für Michael Ballack und Bayer 04 Leverkusen erst mit der Festsetzung und Verkündung des Strafmaßes am 1. April 2011 durch den Deutschen Fußballbund DFB:

8.000 Euro Geldstrafe für Michael Ballack
Michael Ballack wurde am 1. April 2011 vom DFB-Sportgericht im Einzelrichter-Verfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro belegt. Ballack war nach Ende des Meisterschaftsspiels zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Schalke 04 am 20. März 2011 in Leverkusen auf den Zaun vor dem Leverkusener Fanblock gestiegen und hatte entsprechend den Vorgaben des Leverkusener Vorsängers im Fanblock zweimal über ein Megaphon die Worte ,,Scheiß 1. FC Köln!" gerufen, woraufhin die Leverkusener Anhänger in diesem Block diese Worte nachriefen.
Quelle: DFB.de (2011)

Michael Ballack kommt trotz seiner Äußerungen in den Medien bemerkenswert gut davon. Grund hierfür ist das professionelle Verhalten aller Beteiligten:

  1. Mit Leverkusens Klub-Chef und dem Kommunikationsverantwortlichen des Vereins geben glaubhafte und vertrauenswürdige Personen der Öffentlichkeit eine erste Stellungnahme.
  2. Der Spieler Ballack zeigt durch seine Entschuldigung Demut vor den gegnerischen Fans.
  3. Der Spieler Ballack hat seinen Fehler vollumfänglich eingeräumt.
  4. Der Spieler Ballack hat sich mit der wesentlichen Zielgruppe, den Fans, öffentlich und direkt auseinandergesetzt.

Fazit:
Dieser Krisenverlauf ist ein Beleg dafür, wie man mit den enttäuschten Erwartungen von (gegnerischen) Fans umgehen muss. Ziel der gezeigten Kommunikationsmaßnahmen war es, zu verhindern, dass sich die in diesem Fall beleidigten gegnerischen Fans über die naturgegebene, sportliche Distanz hinaus von Michael Ballack als Nationalspieler abwenden. Dies war nur möglich, da Michael Ballack bzw. sein Verein Bayer 04 Leverkusen sehr schnell erkannt haben, was gegnerische Fans und Sportöffentlichkeit von ihm erwarten. Und damit konnte eine andauernde Welle der Empörung abgewendet werden.

Auszüge aus:

Public Relations im Sport. Herausgegeben von Günther Suchy im Erich Schmidt Verlag, 2011. Günther Suchy und sein Experten-Team vermitteln auf mehr als 230 Seiten Erfolgsfaktoren professioneller Public Relations im Sport. Dazu zählen das solide Basiswissen über Theorie und Arbeitsfelder der Sport-PR ebenso wie die neuen Chancen der Kommunikation mit Web 2.0 und Social Media.

€39,95[D], ISBN: 978-3-503-12999-7

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