Leben Totgesagte länger? Zeitungen erhöhen Reichweite – gewissermaßen…





Leben Totgesagte länger? Zeitungen erhöhen Reichweite – gewissermaßen…


thinktank-pr.de.de
31.10.2019

Leben Totgesagte länger? Zeitungen erhöhen Reichweite – gewissermaßen…

Weiß doch jeder: Zeitungen sterben aus, weil die Jugend von heute nur noch im Internet rumhängt. Überraschend wirkt da eine Meldung der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft unter Berufung auf eine aktuelle Studie: Die Reichweite der Zeitungen in Deutschland wächst! Regionale und Überregionale Zeitungen erreichen nicht nur 80,5 Prozent der deutschprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren – 1,2 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. In der Altersgruppe der 14 bis 29-Jährigen stieg die Reichweite sogar überproportional um 3,3 Prozentpunkte. Also alles supi? Jein – der Teufel liegt wie so oft im Detail. Je nachdem, wie man hinguckt, bestätigen die Ergebnisse sowohl Optimisten als auch Pessimisten – wie unser virtuelles Streitgespräch zeigt…


Der Optimist: All die Miesmacher, die ein Aussterben der Zeitungen geradezu herbeireden wollen, werden durch die von der ZMG veröffentlichten Ergebnisse der Studie „best for planning (b4p)“ der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung eines besseren belehrt. Regionale und überregionale Zeitungen erreichen mit ihren Print- und Onlineausgaben zusammen 80,5 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren – 2012 waren es nur 79,3 Prozent. Kein Riesensprung – aber es geht aufwärts, nicht abwärts. Und vor allem: Die gleichzeitig vielgeschmähten und heißbegehrten jungen Leute wenden sich verstärkt den Zeitungen zu – in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen stieg die Reichweite im gleichen Zeitraum von 74,5 auf 77,8 Prozent!

 

Nettoreichweiten von Zeitungen. Quelle / © ZMG
Grafik von ZMG Reichweiten Zeitungen

Der Pessimist: Wenn man Print- und Online-Ausgaben zusammenrechnet, mögen die Reichweiten ja steigen – aber stellen wir doch mal die Zahlen vom vergangenen Jahr wirklich daneben… Schau genau hin: In ALLEN Altersgruppen SINKT die Reichweite der Printausgaben. Genaugenommen bestätigt die Statistik also den Niedergang der Zeitungen – die Leute lesen eben immer weniger Gedrucktes und immer mehr aus dem Internet. Also: Die Zeitungen sind die Dinosaurier der Medienlandschaft – ihre Zeit ist vorbei, sie sterben aus!

 

Nettoreichweiten von Zeitungen 2012. Quelle / © ZMG
Graifk Zeitungsreichweiten 2012 von ZMG
Nettoreichweiten von Zeitungen 2013. Quelle / © ZMG
Grafik Zeitungsreichweiten 2013 von ZMG

Der Optimist: Ein sehr guter Vergleich – aber bestätigt mich, nicht Dich. Denn die Dinosaurier sind nicht ausgestorben. Die meisten Deutschen begegnen ihnen tagtäglich. Und bitte schrei mich nicht an.

Der Pessimist: Wie bitte? Willst Du mir sagen, ich laufe jeden Tag Gefahr, von einem Raptor oder einem T-Rex erlegt zu werden?

Der Optimist: Nein, speziell diese Dinosaurier gibt es tatsächlich nicht mehr. Genauso, wie heute auch die erste Tageszeitung der Welt, die Leipziger „Einkommenden Zeitungen“, nicht mehr erscheint. Aber ebenso wenig wie alle Zeitungen sind auch nicht alle Dinosaurier ausgestorben. Sie haben sich weiterentwickelt – zu den Vögeln. Und genau das können wir jetzt auch auf dem Zeitungsmarkt beobachten: Evolution. Mit dem Erfolg des Internets hat sich die Umwelt in Bezug auf Informationstransport und -konsum verändert. Einige Zeitungen, die sich an die neuen Umweltbedingungen nicht anpassen, werden eingehen. Aber diejenigen, die sich erfolgreich anpassen, sich weiterentwickeln, das Web erobern: Die werden nicht nur weiter bestehen – nein, die werden mit ihren Artikeln und Meldungen neue, größere Leserkreise erreichen! Gestützt wird diese These auch durch die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2013. Sie zieht den Schluss: „Etablierte Anbieter journalistischer Inhalte haben gute Chancen, die Nutznießer der Digitalisierung zu sein, wenn sie sie als Chance begreifen, ihre Inhalte auf vielfältigen Wegen und in angebots- und zielgruppenspezifischer Aufbereitung ihren Nutzern darzubieten.“

Der Pessimist: Viele Leute über das Internet zu erreichen ist keine Kunst, nicht neu und auch nicht das entscheidende Kriterium für das Überleben der Zeitungen. Die entscheidende Frage ist: Wie verdiene ich damit genug Geld, um die Journalisten, die Autoren, die Redaktion zu bezahlen? Diese Frage hat meiner Ansicht nach bis heute keine Zeitung wirklich befriedigend beantwortet.

Der Optimist: Erstens: Ich habe Vertrauen in die Zeitungen und ihre Evolution. Ich kann nicht voraussagen, wie genau sie diese Hürde nehmen werden – aber ich bin fest davon überzeugt, dass sie darüber hinweg kommen. Die von der ZMG implizit angestrebte Neudefinition der Zeitungsreichweite als Print + Onlineleser mag da sogar ein sinnvoller und entscheidender Schritt in die richtige Richtung sein. Und zweitens: Was schert es Dich? Wir sind PRler. Sicher werden die Zeitungen bei der wirtschaftlichen Eroberung des Webs noch eine schwierige Zeit durchmachen. Aber für uns ist das positiv: Wenn wir unsere Arbeit gut machen, die Redaktionen auch aus einer journalistischen Perspektive mit nutzwertigen und interessanten Inhalten versorgen – dann werden sie diese gerade in solch schwierigen Übergangszeiten dankbar aufnehmen und veröffentlichen. Anders ausgedrückt: Aus PR-Sicht ist es egal, wie Zeitungen ihre Inhalte zum Leser bringen, gedruckt oder digital. Für uns ist wichtig, dass sie viele Leser erreichen. Denn solange dass der Fall ist, lohnt sich für Unternehmen auch die Pressearbeit.

Der Pessimist: Mann, Du findest wirklich an allem eine gute Seite, nicht wahr?

Der Optimist: So bin ich. Und ich behalte am Ende immer Recht.

Der Pessimist: Glaubt Du.

Der Optimist: Ja.



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