Lost in Translation – Pressemeldung übersetzt und Inhalt verloren





Lost in Translation – Pressemeldung übersetzt und Inhalt verloren


thinktank-pr.de.de
25.04.2019

Lost in Translation – Pressemeldung übersetzt und Inhalt verloren

Kommunikation außerhalb der Muttersprache ist ein gefährlicher Drahtseilakt. Insbesondere bei kniffliger Krisen-PR muss darauf geachtet werden, dass es in der Übersetzung zu einer möglichst geringen sprachlichen Verschiebung kommt. Das Beispiel der Krisenkommunikation von BP zur Havarie der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 zeigt, dass bereits subtile Änderungen im Text zu einer veränderten Wahrnehmung führen können.


Ein Übersetzungsvergleich der veröffentlichten Presseinformationen veranschaulicht die verschiedenen Nuancen der deutschen und englischsprachigen Formulierungen.

Vorgehensweise: Militär oder Management

In der englischen Sprache stellt sich das Treibstoffunternehmen als eine proaktive, militärische Einheit dar, die es sich zum Ziel gemacht hat die Ölkatastrophe zu bekämpfen.

On the surface, BP continues to aggressively move forward with its oil spill plan.

Im deutschen weicht dieses Bild einer leicht abgeschwächten Formulierung, in der BP mehr Managementteam als Militäreinheit ist.

An der Wasseroberfläche setzt BP ihren Einsatzplan zur Ölbekämpfung weiter energisch um.

Der deutsche Satzbau lässt BP oft in die Satzmitte verschwinden, wobei das Unternehmen in den englischen Originalen meist am Anfang der Satzes steht. Die Aufmerksamkeit der deutschen Leser wird so auf die Handlungen gelenkt und stellt BP nicht ins Zentrum.

BP also today began preparations to drill a relief well into the MC252 exploration well following the arrival on site of the Transocean Development Driller III.

Mit Eintreffen des Bohrschiffes Transocean Development Driller III hat BP darüber hinaus heute damit begonnen, eine Entlastungsbohrung in das Bohrloch MC252 vorzunehmen.

Außerdem wird in den englischsprachigen Presseinformationen fast ausschließlich aktiv formuliert. In den Übersetzungen finden sich jedoch vermehrt Passivkonstruktionen. BP rückt dadurch im deutschen als Akteur weiter in den Hintergrund.

Remotely-operated vehicles are monitoring the well and riser. Monitoring has detected an additional leak on the riser closer to the well. ROVs also continue to methodically work through procedures aimed at subsea activation of the blow-out preventer on the MC252 well.

Über ferngesteuerte Unterwasserrobotor [sic] wird die Lage am Bohrloch selbst wie auch am Steigrohr genau beobachtet. Dabei ist ein zusätzliches Leck im Steigrohr entdeckt worden, und zwar nahe am Bohrloch. Die Unterwasserroboter werden darüber hinaus auch mit dem Ziel eingesetzt, den Blowout Preventer am Bohrloch MC252 zu aktivieren.

Die Beispiele zeigen, dass selbst die kleinsten sprachlichen Unterschiede Unternehmen in ein komplett anderes Licht rücken können. Solche Verschiebungen sollten also bei jeder Übersetzung vorsichtig durchdacht werden. Außerdem ist es von großer Wichtigkeit sich die (Text-) Kultur des Landes vor Augen zu führen, um nicht in sprachliche Fettnäpfchen zu treten.

Ein Wörterbuch allein reicht für eine erfolgreiche Übersetzung nicht aus. Zwischen den Sprachen kann viel verloren gehen. Nur mit einem feinfühligen Sprachverständnis lassen sich Formulierungen nicht nur sinngemäß, sondern auch auf ideeller Ebene übersetzen

Hintergrundinformationen:

Dieser Artikel basiert auf der Analyse von Prof. Dr. Claudia Böger, Jekaterina Nikitin und Antonia Unger, die im Krisenmagazin 02/12 veröffentlicht wurde. Die Pressemitteilungen wurden zum Vergleich von der englisch- und deutschsprachigen Unternehmenswebseite von BP bezogen.



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