Unfallspuren in Karlsruhe: Mit PR Leben retten





Unfallspuren in Karlsruhe: Mit PR Leben retten



thinktank-pr.de.de
31.10.2019

Unfallspuren in Karlsruhe: Mit PR Leben retten

Die Umrisse auf der Fahrbahn zeichnen einen menschlichen Körper nach. Direkt dort, wo die Straßenbahnschienen durch den Asphalt schneiden. Arme und Beine stehen in einem unnatürlichen Winkel. Es sind nur noch Spuren, aber sie sagen eindeutig: Hier ist etwas Schreckliches passiert. Gleich an mehreren Stellen im Karlsruher Stadtgebiet finden sich solch schaurige Umrisse. Allerdings sollen sie nicht Unfälle dokumentieren – sondern verhindern. Sie sind Teil einer engagierten und kreativen Präventionskampagne der Verkehrsbetriebe Karlsruhe.


Jeweils wenige Meter vor der menschlichen Silhouette auf dem Asphalt steht der erste Blickfang der Kampagne: Ein „Pappenheimer“, ein lebensgroßes Abbild eines jungen Menschen, kurz davor, die Fahrbahn zu betreten. Gut gelaunt, abgelenkt durch Smartphone, Tablet oder Mp3-Player. Der Anfang einer kurzen Geschichte, die in den Umrissen auf dem Boden ihr jähes Ende findet. Mit zwei deutlichen Bildern erzählt die mit der österreichischen Agentur Zimmermann & Pupp entwickelte Kampagne so eine Narrative, deren Mittelteil im Kopf des Betrachters entsteht. Ziel: Mehr Sicherheit durch mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Mit der Präventionskampagne reagieren die Verkehrsbetriebe auf die hohen und steigenden Zahlen von Unfällen mit Straßenbahnen in Karlsruhe. Häufigste Ursache: Unachtsamkeit, Ablenkung, dabei nicht selten Kopfhörer im Ohr. Zuletzt starb ein 14-jähriger, der mit seinem Fahrrad unter eine Bahn geriet.

 

 

Zwei Momentaufnahmen, eine Geschichte: „Game on“ auf dem Smartphone führt zu „Game Over“ im Verkehr. Alle Fotos Quelle / © Verkehrsbetriebe Karlsruhe
Pappfigur Frau spielt mit Smartphone, Umirss auf Fahrbahn mit Schienen

Ein Ziel hat die Kampagne schon erreicht: Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Die Pappenheimer sind Gesprächsthema in der Stadt am Oberrhein, wie Sarah Breuer von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) dem ThinkTank-PR-Newsletter im Interview erläutert.

ThinkTankPR: Wie entstand die Präventionskampagne?

Sarah Breuer, VBK: Die Idee zur Präventionsaktion mit den Pappfiguren entstand in einer Expertenrunde, welche die Verkehrsbetriebe Karlsruhe einberufen hatten, um mit Vertretern der Polizei, aus der Jugendarbeit, von Versicherungen, vom Schul- und vom Ordnungsamt, Elternvertretern und vielen anderen über das Thema Sicherheit und Prävention zu diskutieren. Wir waren uns einig, dass wir nach der Veröffentlichung von zwei sehr erfolgreichen Kurzfilmen zum Thema Prävention und laufender Aufklärungsarbeit in Schulen eine Aktion brauchen, mit der wir die Zielgruppe Schüler und junge Erwachsene tatsächlich erreichen und zum Nachdenken bringen. Deshalb haben wir uns für diese durchaus provokante Darstellung entschieden, die Jugendlichen zeigen soll, was passieren kann, wenn sie sich beim Überqueren der Gleise ablenken lassen.

Warum haben Sie sich konkret für diese Form, die Kombination aus Pappaufstellern und Umrissen entschieden?

Unsere Zielgruppe soll sich mit den Pappfiguren identifizieren, sie soll verstehen, dass es sich dabei auch um den besten Kumpel handeln könnte. Wir haben deshalb modisch angezogene Jugendliche in einer Gehbewegung fotografieren lassen. Die Figuren sind lebensgroß und wirken sehr realistisch. Die drei Jugendlichen machen alle denselben Fehler: Sie konzentrieren sich nicht auf den Verkehr, sondern lassen sich vom Smartphone in der Hand oder lauter Musik auf den Ohren ablenken und haben keinen Sinn für ihre Umwelt. Was ihnen dadurch passieren kann, wenn sie so auf einen Gleisüberweg zugehen, stellen die Körper-Umrisszeichnungen auf dem Gleisbett dar. Eine solche Kreidezeichnung dürfte jeder Jugendliche schon einmal im Krimi gesehen haben. Indem wir den schlimmstmöglichen Fall aufzeigen, wollen wir wachrütteln.

 

 

Fokussiert auf „Good News“ wird der Tablet-Nutzer selbst zu „Bad News“. Alle Fotos Quelle / © Verkehrsbetriebe Karlsruhe
Papaufsteller Mann liest Nachricht auf Tablet, Umrisse auf Fahrbahn mit Schienen

Was für Reaktionen haben sie bislang auf die Kampagne erhalten?

Die Reaktionen sind durchweg positiv. Schon beim Aufstellen der Figuren und Aufsprühen der Umrisszeichnung wurden wir von Studenten angesprochen, die uns neugierig gefragt haben, was es damit auf sich hat. Die Idee fanden sie prima. Der Gesamtelternbeirat unterstützt unsere Idee ebenfalls. Und mittlerweile wird die Idee auch in Düsseldorf diskutiert, wo es eine ähnliche Aktion geben soll.

Ist schon ein fassbarer Erfolg der Kampagne sichtbar?

Es wird in Karlsruhe rege über unsere Aktion gesprochen und sie findet Nachahmer, das ist für uns ein großer Erfolg. Die Menschen bleiben stehen, schauen sich die Figur und ihr Pendant an und sprechen darüber. Das wollten wir erreichen.

Welche Aspekte haben Ihrer Einschätzung nach bisher besonders gut an der Kampagne funktioniert, welche eher nicht?

Gut ist die Diskussion darüber. Schade ist, dass die Pappfiguren anfällig für Vandalismus sind. Leider gibt es, egal was man im öffentlichen Bereich aufstellt, immer Menschen, die glauben, sie müssten es mutwillig zerstören. Wir müssen die Figuren deshalb regelmäßig erneuern.

Wie lange soll die Aktion noch laufen?

Wir haben gerade die nächsten Standorte geplant. In der kommenden Woche sollen die Pappfiguren an neue Haltestellen wandern. So wollen wir damit immer wieder an neuer Stelle im Stadtgebiet auftauchen und in Erinnerung bleiben.

Können Sie aus Ihrer Erfahrung mit der Kampagne anderen Unternehmen, die ebenfalls Präventionskampagnen planen, nützliche Tipps für die Umsetzung geben?

Wir haben die Idee mit Verantwortlichen verschiedener städtischer Stellen diskutiert, die sich ebenfalls mit dem Thema Prävention auseinandersetzen. Das war sehr hilfreich.

 

 

The Day the Music Died. And Killed. Alle Fotos Quelle / © Verkehrsbetriebe Karlsruhe
Pappfigur junger Mann mit Kopfhöreren, Umrisse auf Fahrbahn mit Schienen



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