Social-Media-Kanäle auswählen: Wann sich Facebook und Co. nicht mehr lohnen

Nicht jeder Kanal passt zu jedem Unternehmen. Mit diesen Kriterien wählst du die richtigen Social-Media-Kanäle und erkennst, wann sich einer nicht mehr lohnt.

Social-Media-Kanäle – Social-Media-Kanäle auswählen: Wann sich Facebook und Co. nicht mehr lohnen

„Wir müssen auf TikTok!“, „Wir brauchen einen Threads-Account!“, „Facebook nutzt doch keiner mehr!“ Solche Sätze fallen in vielen Marketingrunden. Doch nicht jeder Kanal passt zu jedem Unternehmen. Wer die falschen Social-Media-Kanäle wählt, verschwendet Zeit und Budget und erreicht trotzdem niemanden. Die gute Nachricht: Mit einigen klaren Kriterien triffst du eine fundierte Entscheidung.

In diesem Leitfaden erfährst du, welche Fragen du vor der Auswahl klären solltest, welche Plattformen sich für welche Ziele eignen, wann sich ein Kanal nicht mehr lohnt und wie du einen Kanal sauber beendest. Das Beispiel Facebook zeigt, warum auch etablierte Netzwerke kritisch geprüft werden sollten.

Smartphone mit sozialen Netzwerken: Welche Social-Media-Kanäle passen?
Foto: Unsplash

Warum du nicht überall sein musst

Jeder Kanal braucht Inhalte, Pflege und Moderation. Wer fünf Plattformen gleichzeitig bespielt, hat für jede nur wenig Zeit. Die Folge sind seltene, austauschbare Beiträge und unbeantwortete Kommentare. Das schadet mehr, als es nützt.

Erfolgreiche Unternehmen konzentrieren sich deshalb auf wenige Kanäle, auf denen ihre Zielgruppe wirklich aktiv ist. Dort liefern sie regelmäßig gute Inhalte und führen echte Gespräche. Weitere Plattformen kommen erst hinzu, wenn die Ressourcen reichen.

Die fünf Fragen vor der Auswahl

  1. Wo ist meine Zielgruppe? Alter, Beruf, Interessen und Mediennutzung entscheiden, welche Plattformen infrage kommen.
  2. Was will ich erreichen? Bekanntheit, Dialog, Fachkräfte, Verkäufe oder Medienkontakte verlangen unterschiedliche Kanäle.
  3. Welche Inhalte kann ich liefern? Für Video-Plattformen brauchst du Videos, für Fachnetzwerke fundierte Beiträge.
  4. Welche Ressourcen habe ich? Wer betreut den Kanal, wie viel Zeit steht pro Woche zur Verfügung?
  5. Was machen andere? Wo sind Wettbewerber und Branchenkollegen aktiv, und mit welchem Erfolg?

Die wichtigsten Plattformen im Überblick

LinkedIn

Das wichtigste Netzwerk für B2B-Kommunikation, Fachkräfte und Thought Leadership. Ideal für Expertenbeiträge, Unternehmensnachrichten, Stellenangebote und den Austausch mit Journalisten und Entscheidern.

Instagram

Stark visuell und vor allem bei jüngeren und mittleren Altersgruppen beliebt. Geeignet für Marken mit starken Bildern, Einblicke hinter die Kulissen, Employer Branding und Produkte, die man zeigen kann.

TikTok

Kurzvideos mit hoher Reichweite, besonders bei jungen Zielgruppen. Lohnend für Marken, die unterhaltsam, schnell und authentisch kommunizieren können, etwa bei der Ausbildungssuche.

YouTube

Die große Video-Suchmaschine. Geeignet für Erklärvideos, Anleitungen, Webinare und längere Formate, die auch nach Monaten noch gefunden werden.

Facebook

Weiterhin eines der größten Netzwerke, aber mit älter werdender Nutzerschaft. Stark für lokale Angebote, Gruppen und Veranstaltungen. Wie du den Kanal sinnvoll nutzt, liest du im Beitrag Facebook für Unternehmen.

Messenger und Newsletter

WhatsApp-Kanäle, Messenger und E-Mail-Newsletter erreichen Menschen direkt und ohne Algorithmus. Sie eignen sich für treue Kunden und wichtige Informationen.

Nutzerin scrollt durch Social-Media-Kanäle auf dem Handy
Foto: Unsplash

Wann sich Facebook nicht mehr lohnt

Kritiker haben schon früh zahlreiche Gründe gegen Facebook gesammelt: sinkende organische Reichweite, Datenschutzbedenken, ein Algorithmus, der Unternehmen benachteiligt, und eine Nutzerschaft, die immer älter wird. Viele dieser Argumente gelten heute noch, teilweise stärker als damals.

Anzeichen, dass ein Kanal nicht mehr passt

  • Deine Zielgruppe ist dort kaum noch aktiv.
  • Beiträge erreichen trotz guter Inhalte nur einen Bruchteil deiner Fans.
  • Interaktionen sind seit Monaten rückläufig.
  • Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen.
  • Andere Kanäle liefern für dieselben Ziele deutlich bessere Ergebnisse.

Das heißt nicht, dass Facebook für alle Unternehmen uninteressant ist. Für lokale Betriebe, Vereine oder Angebote für ältere Zielgruppen kann es weiter sehr wertvoll sein. Entscheidend ist die regelmäßige, ehrliche Prüfung.

Eine einfache Bewertungsmatrix

Bewerte jeden möglichen Kanal mit Punkten von 1 bis 5 in diesen Kategorien:

  • Zielgruppenpassung: Wie gut erreichst du dort deine Zielgruppe?
  • Zielbeitrag: Wie stark trägt der Kanal zu deinen Zielen bei?
  • Inhaltsfähigkeit: Kannst du die nötigen Inhalte regelmäßig liefern?
  • Aufwand: Wie viel Zeit und Budget kostet der Kanal? (Weniger Aufwand gibt mehr Punkte.)
  • Risiko: Wie hoch sind Datenschutz-, Reputations- oder Abhängigkeitsrisiken? (Weniger Risiko gibt mehr Punkte.)

Kanäle mit der höchsten Gesamtpunktzahl kommen auf deine Liste. Fang mit zwei bis drei an und prüfe nach sechs Monaten, ob die Auswahl stimmt.

Die Kanalauswahl im Team treffen

Die Entscheidung für oder gegen einen Kanal sollte nicht allein in der Marketingabteilung fallen. Hole Vertrieb, Personalabteilung, Kundenservice und Geschäftsführung an einen Tisch. Jede Abteilung kennt andere Zielgruppen und hat eigene Erwartungen an soziale Netzwerke.

  • Vertrieb: Wo informieren sich Kunden vor dem Kauf? Welche Fragen stellen sie immer wieder?
  • Personal: Wo sind die Fachkräfte und Auszubildenden, die du gewinnen willst?
  • Kundenservice: Über welche Kanäle melden sich Kunden heute schon mit Anliegen?
  • Geschäftsführung: Welche Ziele haben für das Unternehmen in den nächsten Jahren Vorrang?

Ein gemeinsamer Workshop von zwei Stunden reicht oft aus. Sammle zuerst die Ziele, bewerte dann die Kanäle mit der Matrix und triff am Ende eine klare Entscheidung: Welche zwei bis drei Kanäle bespielen wir aktiv, welche beobachten wir nur, welche beenden wir? Halte das Ergebnis schriftlich fest und lege einen Termin für die nächste Überprüfung fest.

Der Vorteil dieses Vorgehens: Alle Beteiligten verstehen, warum dein Unternehmen auf bestimmten Plattformen aktiv ist und auf anderen nicht. Das reduziert spätere Diskussionen und sorgt dafür, dass Fachabteilungen Themen und Inhalte gezielt für die gewählten Kanäle liefern. Aus einer Bauchentscheidung wird so eine gemeinsame Strategie.

Ein kurzes Rechenbeispiel

Angenommen, die Betreuung eines Kanals kostet dein Team vier Stunden pro Woche. Das sind rund 200 Stunden im Jahr, also mehr als ein Monat Arbeitszeit. Wenn dieser Kanal pro Jahr nur eine Handvoll Anfragen bringt, während ein anderer Kanal mit gleichem Aufwand ein Vielfaches liefert, ist die Entscheidung klar. Solche einfachen Rechnungen helfen, die Diskussion zu versachlichen und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken. Rechne dabei nicht nur mit Anfragen, sondern auch mit Bewerbungen, Medienkontakten und Hinweisen aus der Community, denn auch sie haben einen Wert für dein Unternehmen.

Einen Kanal sauber beenden

Wenn du dich von einem Kanal trennst, verschwinde nicht einfach. Ein verwaistes Profil mit unbeantworteten Fragen wirkt unprofessionell.

  • Kündige den Abschied an und erkläre, wo deine Community dich künftig findet.
  • Beantworte offene Nachrichten und Kommentare.
  • Hinterlasse im Profil einen Hinweis auf deine aktiven Kanäle.
  • Prüfe, ob du das Profil archivierst oder löschst, und sichere wichtige Inhalte.
Person nutzt Social-Media-Kanäle unterwegs auf dem Smartphone
Foto: Unsplash

Eigene Kanäle nicht vergessen

Soziale Netzwerke gehören dir nicht. Plattformen ändern Regeln, verlieren Nutzer oder verschwinden, wie früher die deutschen VZ-Netzwerke. Deshalb sollte jede Social-Media-Strategie auch eigene Kanäle stärken: Website, Newsroom, Blog und Newsletter. Sie sind das Fundament, auf das soziale Netzwerke verweisen. Mehr dazu liest du im Beitrag zum Corporate Blog und im Leitfaden zur Social-Media-Strategie.

Kanäle nach Unternehmenstyp: eine Orientierung

Jedes Unternehmen ist anders, doch einige Muster lassen sich beobachten. Diese Übersicht gibt dir einen Startpunkt für deine eigene Bewertung:

  • B2B-Unternehmen und Dienstleister: LinkedIn als Hauptkanal, ergänzt durch YouTube für Erklärvideos und einen Newsletter für Bestandskunden.
  • Handwerk und lokale Betriebe: Instagram und Facebook für Projekte und Veranstaltungen in der Region, dazu ein gepflegtes Profil auf Kartendiensten.
  • Konsumgüter und Lifestyle-Marken: Instagram und TikTok für Inspiration und Reichweite, YouTube für Anleitungen und Tests.
  • Arbeitgebermarke und Ausbildung: Instagram, TikTok und LinkedIn, je nach Alter der Zielgruppe.
  • Verbände und Institutionen: LinkedIn für Fachpublikum und Politik, ein Newsroom für Medien, dazu ein Newsletter für Mitglieder.

Diese Übersicht ersetzt nicht die eigene Analyse. Sie zeigt aber, dass es selten sinnvoll ist, alle Plattformen gleichzeitig zu bespielen. Die meisten Unternehmen fahren mit zwei bis drei aktiven Kanälen und einem eigenen Newsroom am besten.

Neue Plattformen testen, ohne sich zu verzetteln

Neue Netzwerke tauchen regelmäßig auf. Manche setzen sich durch, viele verschwinden wieder. Wenn dich eine neue Plattform interessiert, sichere dir den Profilnamen und teste sie für einige Wochen mit wenig Aufwand. Beobachte, ob deine Zielgruppe dort aktiv ist und wie sich die Plattform entwickelt. Erst wenn sich ein klarer Nutzen zeigt, nimmst du sie fest in deine Planung auf.

Fazit: Weniger Kanäle, mehr Wirkung

Die Auswahl der richtigen Social-Media-Kanäle ist eine strategische Entscheidung. Orientiere dich an deiner Zielgruppe, deinen Zielen und deinen Ressourcen, nicht an Trends. Prüfe auch etablierte Kanäle wie Facebook regelmäßig kritisch, und trenne dich von Plattformen, die nicht mehr passen. So investierst du deine Zeit dort, wo sie die größte Wirkung entfaltet.

Aktuelle Zahlen zur Nutzung sozialer Medien in Deutschland veröffentlichen die ARD/ZDF-Onlinestudie und der Bitkom. Hinweise zum Datenschutz bei Unternehmensseiten gibt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz.

Nimm dir für die Bewertung deiner Kanäle einmal im Halbjahr einen festen Termin. So bleibt deine Auswahl aktuell, und du erkennst rechtzeitig, wenn sich Zielgruppen oder Plattformen verändern.

Häufige Fragen zur Auswahl der Social-Media-Kanäle

Welche Social-Media-Kanäle sind für Unternehmen wichtig?

Das hängt von Zielgruppe und Zielen ab. Für B2B ist meist LinkedIn zentral, für Marken mit starken Bildern Instagram, für junge Zielgruppen TikTok, für lokale Angebote Facebook und für Erklärvideos YouTube.

Auf wie vielen Plattformen sollte ein Unternehmen aktiv sein?

Die meisten Unternehmen fahren mit zwei bis drei gut betreuten Kanälen am besten. Mehr Plattformen lohnen sich nur, wenn ausreichend Ressourcen vorhanden sind.

Lohnt sich Facebook für Unternehmen noch?

Für lokale Angebote, Gruppen, Veranstaltungen und ältere Zielgruppen oft ja. Für junge Zielgruppen und viele B2B-Themen gibt es heute meist passendere Kanäle.

Wie erkenne ich, dass ein Kanal nicht mehr passt?

Wenn die Zielgruppe kaum noch aktiv ist, Reichweite und Interaktionen dauerhaft sinken und der Aufwand in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen steht.

Wie beende ich einen Social-Media-Kanal richtig?

Kündige den Abschied an, beantworte offene Nachrichten, verweise im Profil auf deine aktiven Kanäle und sichere wichtige Inhalte, bevor du das Profil archivierst oder löschst.

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