Viele Projekte zwischen Unternehmen und Agenturen scheitern nicht an fehlender Kreativität, sondern an einem schwachen Start. Unvollständige Informationen, unklare Ziele und vage Erwartungen führen zu Missverständnissen, Korrekturschleifen und Frust auf beiden Seiten. Wer ein gutes Briefing schreiben kann, spart Zeit, Geld und Nerven. Doch zu einem guten Briefing gehören immer zwei: der Auftraggeber, der informiert, und der Auftragnehmer, der die richtigen Fragen stellt.
In diesem Leitfaden erfährst du, was ein Briefing leisten muss, welche Inhalte hineingehören, wie du das Briefinggespräch führst und wie Agenturen mit einem Re-Briefing für Klarheit sorgen. Am Ende findest du eine Checkliste für dein nächstes Projekt.

Was ein Briefing ist und warum es so wichtig ist
Ein Briefing ist die Aufgabenbeschreibung, mit der ein Auftraggeber eine Agentur, einen Freelancer oder ein internes Team beauftragt. Es fasst zusammen, worum es geht, was erreicht werden soll und unter welchen Bedingungen gearbeitet wird. In der PR- und Kommunikationsbranche ist es die Grundlage für Kampagnen, Pressearbeit, Texte, Events und Designs.
Ein gutes Briefing erfüllt drei Aufgaben:
- Orientierung: Alle Beteiligten wissen, worum es geht und wohin die Reise führt.
- Maßstab: Ergebnisse lassen sich an den vereinbarten Zielen messen, nicht am Geschmack einzelner Personen.
- Vertrauen: Wer offen informiert, signalisiert Partnerschaft auf Augenhöhe.
Studien und Branchenumfragen zeigen immer wieder, dass Agenturen schlechte Briefings als einen der häufigsten Gründe für gescheiterte Projekte nennen. Umgekehrt beklagen Auftraggeber, dass Agenturen zu wenig nachfragen. Beide Seiten tragen also Verantwortung.
Die Aufgaben des Auftraggebers beim Briefing schreiben
Vollständige Fakten liefern
Vollständigkeit ist das wichtigste Kriterium. Bevor du mit einer Agentur sprichst, sammle intern alle relevanten Informationen: Hintergründe, Zahlen, bisherige Maßnahmen, Ergebnisse von Marktforschung und Erfahrungen aus früheren Projekten. Kläre auch, welche Informationen vertraulich sind und wie damit umgegangen wird.
Ziele klar formulieren
„Wir wollen bekannter werden“ ist kein Ziel, sondern ein Wunsch. Formuliere messbar: Welche Zielgruppe soll was bis wann wissen, fühlen oder tun? Je genauer das Ziel, desto besser kann die Agentur eine passende Lösung entwickeln.
Zielgruppe beschreiben
Wen willst du erreichen? Beschreibe nicht nur Alter und Beruf, sondern auch Einstellungen, Mediennutzung, Probleme und Wünsche. Je lebendiger das Bild, desto treffsicherer die Ideen.
Kernbotschaften festlegen
Was ist die eine Botschaft, die hängen bleiben soll? Wie du sie entwickelst, beschreibt unser Beitrag zu Kernbotschaften.
Rahmenbedingungen nennen
Budget, Zeitplan, Freigabeprozesse, Corporate Design, rechtliche Vorgaben und Ansprechpartner gehören ins Briefing. Viele Auftraggeber verschweigen das Budget, weil sie fürchten, es werde dann voll ausgeschöpft. Das Gegenteil ist meist der Fall: Ohne Budgetrahmen entwickelt die Agentur entweder zu große oder zu kleine Lösungen.
Entscheider einbinden
Nichts ist frustrierender als eine Präsentation, nach der eine bisher unbeteiligte Führungskraft alles umwirft. Kläre vorab, wer entscheidet, und hole diese Person ins Briefing oder zumindest in die Abstimmung.

Die Aufgaben der Agentur
Gut vorbereitet ins Gespräch gehen
Auch die Agentur muss sich vorbereiten. Wer das Unternehmen, seine Branche, Wettbewerber und bisherigen Auftritte kennt, kann gezieltere Fragen stellen und zeigt echtes Interesse.
Die richtigen Fragen stellen
Gute Fragen decken Lücken auf, bevor sie zum Problem werden. Was ist der eigentliche Anlass? Was wurde schon versucht? Was darf auf keinen Fall passieren? Woran wird der Erfolg gemessen? Eine Agentur, die nachfragt, wirkt nicht unwissend, sondern professionell.
Zuhören und zwischen den Zeilen lesen
Oft steckt hinter einer Aufgabe ein anderes Problem. Wer eine Pressemitteilung bestellt, will vielleicht eigentlich die Wahrnehmung eines Produkts verändern. Wer gut zuhört, kann bessere Lösungen vorschlagen.
Re-Briefing erstellen
Nach dem Gespräch fasst die Agentur schriftlich zusammen, wie sie die Aufgabe verstanden hat. Dieses Re-Briefing ist der beste Schutz vor Missverständnissen. Der Auftraggeber bestätigt oder korrigiert, und erst dann beginnt die eigentliche Arbeit.
Checkliste: Briefing schreiben in zehn Punkten
- Ausgangslage: Was ist der Anlass, was ist die aktuelle Situation?
- Ziele: Was soll konkret und messbar erreicht werden?
- Zielgruppen: Wen willst du erreichen, und was weißt du über diese Menschen?
- Botschaft: Was soll hängen bleiben?
- Wettbewerb: Wer sind die Konkurrenten, und wie kommunizieren sie?
- Bisherige Maßnahmen: Was wurde schon gemacht, was hat funktioniert, was nicht?
- Leistungsumfang: Was genau soll die Agentur liefern?
- Budget: Welcher Rahmen steht zur Verfügung?
- Zeitplan: Welche Termine und Meilensteine gibt es?
- Organisation: Wer ist Ansprechpartner, wer entscheidet, wie läuft die Freigabe?
Das Briefinggespräch richtig führen
Ein schriftliches Briefing ist wichtig, ersetzt aber nicht das Gespräch. Erst im direkten Austausch entstehen Rückfragen, Ideen und gegenseitiges Verständnis. So gelingt das Gespräch:
- Unterlagen vorab senden: Die Agentur bekommt das schriftliche Briefing einige Tage vorher und kann sich vorbereiten.
- Genug Zeit einplanen: Für größere Projekte sind zwei Stunden realistisch, nicht dreißig Minuten zwischen zwei Terminen.
- Die richtigen Personen an den Tisch: Fachleute, Entscheider und das Team, das später mit der Agentur arbeitet.
- Offen sprechen: Auch Schwächen, interne Konflikte oder frühere Misserfolge gehören auf den Tisch.
- Ergebnisse festhalten: Ein Protokoll und das anschließende Re-Briefing sichern die Vereinbarungen.
Vertrauen als Grundlage
Ein Briefing ist mehr als eine Informationsübergabe. Es ist der Beginn einer Zusammenarbeit. Wer offen informiert, ehrlich nachfragt und auf Augenhöhe spricht, legt den Grundstein für eine gute Partnerschaft. Dazu gehört auch eine klare Kommunikation ohne Fachjargon und Floskeln.
Briefing-Varianten für unterschiedliche Aufträge
Nicht jedes Projekt braucht das gleiche Briefing. Ein Pressetext verlangt andere Informationen als eine Imagekampagne oder ein Messeauftritt. Passe Umfang und Schwerpunkte an die Aufgabe an.
Briefing für Pressearbeit
Hier stehen Nachricht, Zielmedien und Fakten im Vordergrund. Die Agentur braucht Zahlen, Zitate, Bildmaterial, Ansprechpartner für Interviews und eine klare Aussage dazu, welche Informationen veröffentlicht werden dürfen und welche nicht. Wichtig ist auch der Zeitpunkt: Gibt es eine Sperrfrist, eine Messe oder einen anderen Anlass?
Briefing für Kampagnen
Bei Kampagnen kommt es stärker auf Strategie, Zielgruppen und Tonalität an. Beschreibe, welche Haltung die Marke zeigen soll, welche Kanäle infrage kommen und wie die Kampagne mit anderen Maßnahmen zusammenspielt. Lass der Agentur Raum für eigene Ideen, statt die Lösung schon vorzugeben.
Briefing für Texte und Inhalte
Autorinnen und Autoren brauchen Thema, Zielgruppe, Länge, Tonalität, Quellen und Beispiele für Texte, die gefallen oder nicht gefallen. Bei Online-Texten gehören auch Suchbegriffe, Verlinkungen und Veröffentlichungsort dazu.
Briefing für Design und Video
Hier helfen visuelle Beispiele: Moodboards, Referenzen und das Corporate Design. Nenne Formate, technische Anforderungen und Einsatzorte, etwa Website, Messe oder soziale Netzwerke.
Briefing schreiben mit Vorlage
Viele Unternehmen arbeiten mit einer festen Briefingvorlage. Das spart Zeit und stellt sicher, dass keine wichtige Information vergessen wird. Eine gute Vorlage folgt der Checkliste oben und lässt Raum für projektspezifische Ergänzungen.
Wichtig ist, die Vorlage nicht mechanisch auszufüllen. Ein Briefing lebt davon, dass jemand die Aufgabe durchdacht hat und die wichtigsten Punkte auf den Punkt bringt. Lies dein Briefing vor dem Versand noch einmal mit den Augen der Agentur: Verstehst du ohne Vorwissen, was zu tun ist? Fehlen Zahlen, Ansprechpartner oder Termine? Gibt es Widersprüche?
Hilfreich ist es auch, das Briefing nach Abschluss eines Projekts zu bewerten. Was hat gefehlt, was war überflüssig? Mit diesen Erkenntnissen verbesserst du die Vorlage Schritt für Schritt.
Interne Briefings nicht vergessen
Auch wenn kein externer Partner beteiligt ist, lohnt sich ein schriftliches Briefing. Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen, Werkstudierende oder neue Teammitglieder profitieren genauso von klaren Zielen, Fakten und Terminen. Ein kurzes internes Briefing verhindert, dass Aufgaben doppelt erledigt oder in die falsche Richtung entwickelt werden, und macht Ergebnisse vergleichbar.
Ein Tipp zum Schluss: Plane nach dem Projektstart regelmäßige kurze Abstimmungen ein. So erkennst du früh, ob das Briefing richtig verstanden wurde, und kannst rechtzeitig nachsteuern.
Typische Fehler beim Briefing
- Zu vage: „Machen Sie mal was Kreatives“ führt zu Ergebnissen, die niemand erwartet hat.
- Zu eng: Wer die Lösung schon vorgibt, verschenkt die Expertise der Agentur.
- Widersprüchlich: Mehrere Ansprechpartner mit unterschiedlichen Vorstellungen verwirren.
- Ohne Budget: Ideen ohne finanziellen Rahmen sind oft nicht umsetzbar.
- Nachträgliche Änderungen: Wer Ziele während des Projekts verschiebt, verursacht Mehraufwand und Kosten.
Wie ein gutes Briefing in eine erfolgreiche Kampagne mündet, zeigt unser Beitrag zur Kommunikationskampagne.
Fazit: Gutes Briefing, gutes Ergebnis
Ein Briefing zu schreiben ist keine lästige Formalität, sondern die wichtigste Investition in ein Projekt. Auftraggeber liefern vollständige Fakten, klare Ziele und ehrliche Rahmenbedingungen. Agenturen bereiten sich vor, fragen nach und bestätigen ihr Verständnis im Re-Briefing. Wer beides ernst nimmt, legt den Grundstein für Ergebnisse, die überzeugen.
Grundlagen zum Begriff findest du im Lexikoneintrag zum Briefing, Standards der Zusammenarbeit mit Agenturen bei der Gesellschaft Public Relations Agenturen und berufsethische Grundsätze bei der Deutschen Public Relations Gesellschaft.
Häufige Fragen zum Briefing schreiben
Was gehört in ein Briefing?
Ausgangslage, Ziele, Zielgruppen, Kernbotschaft, Wettbewerb, bisherige Maßnahmen, Leistungsumfang, Budget, Zeitplan und Ansprechpartner mit Entscheidungswegen.
Was ist ein Re-Briefing?
Ein Re-Briefing ist die schriftliche Zusammenfassung, in der die Agentur festhält, wie sie die Aufgabe verstanden hat. Der Auftraggeber bestätigt oder korrigiert es, bevor die Arbeit beginnt.
Sollte man im Briefing das Budget nennen?
Ja. Ein Budgetrahmen hilft der Agentur, realistische und passende Lösungen zu entwickeln. Ohne Budget entstehen oft Ideen, die zu groß oder zu klein sind.
Wie lang sollte ein Briefing sein?
So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Für kleinere Aufträge reichen ein bis zwei Seiten, bei großen Kampagnen können es mehr sein. Entscheidend ist die Vollständigkeit der wichtigen Informationen.
Wer ist für ein gutes Briefing verantwortlich?
Beide Seiten. Der Auftraggeber liefert vollständige Informationen und klare Ziele, die Agentur bereitet sich vor, stellt Fragen und bestätigt ihr Verständnis im Re-Briefing.
