Fachkräfte sind knapp, und viele Arbeitgeber wirken auf den ersten Blick austauschbar. Stellenanzeigen versprechen flache Hierarchien, ein junges Team und spannende Aufgaben. Ein Employer-Branding-Video kann zeigen, was dahinter steckt: echte Menschen, echte Arbeitsplätze und eine Kultur, die man spürt. Schon früh hat die Bundesagentur für Arbeit bewiesen, dass auch eine große Behörde mit bewegten Bildern über sich als Arbeitgeber erzählen kann. Sie ließ eigene Mitarbeitende von ihrem Arbeitsalltag berichten und erreichte damit viele junge Bewerberinnen und Bewerber.
In diesem Beitrag erfährst du, warum Videos im Employer Branding so wirkungsvoll sind, welche Formate es gibt, wie du ein Video Schritt für Schritt planst und wie du es verbreitest.

Warum ein Employer-Branding-Video wirkt
Bewerberinnen und Bewerber wollen wissen, worauf sie sich einlassen. Texte und Fotos geben einen ersten Eindruck, doch erst bewegte Bilder vermitteln Atmosphäre: Wie sprechen Kolleginnen miteinander? Wie sieht der Arbeitsplatz aus? Wie fühlt sich ein typischer Tag an?
- Authentizität: Echte Mitarbeitende wirken glaubwürdiger als jede Werbebotschaft.
- Emotion: Stimmen, Gesichter und Musik schaffen eine Verbindung, die Text allein selten erreicht.
- Orientierung: Bewerber erkennen früh, ob sie zur Kultur passen. Das senkt die Zahl unpassender Bewerbungen.
- Reichweite: Videos werden in sozialen Netzwerken häufiger geteilt als reine Textbeiträge.
- Vielseitigkeit: Ein Dreh liefert Material für Karriereseite, Stellenanzeigen, Messen und soziale Kanäle.
Studien zur Mediennutzung zeigen seit Jahren, dass Bewegtbild gerade bei jüngeren Menschen einen großen Teil der Online-Zeit ausmacht. Wie du Bewegtbild insgesamt in deiner Kommunikation einsetzt, erklärt unser Beitrag zur Bewegtbild-Kommunikation.
Formate für das Employer-Branding-Video
Mitarbeiterporträts
Einzelne Mitarbeitende erzählen, was sie tun, warum sie es gern tun und wie sie in das Unternehmen gekommen sind. Porträts funktionieren besonders gut, wenn sie verschiedene Berufe, Altersgruppen und Karrierewege zeigen.
Ein Tag im Job
Die Kamera begleitet eine Person durch ihren Arbeitstag. Das Format zeigt konkret, was einen Job ausmacht, und beantwortet Fragen, die Bewerber oft nicht zu stellen wagen.
Teamvideos
Ein Team stellt sich vor, zeigt seine Arbeit und seine Zusammenarbeit. Das vermittelt Kultur und Atmosphäre besonders gut.
Ausbildungs- und Einstiegsvideos
Auszubildende und Berufseinsteiger erzählen von ihren ersten Monaten. Diese Videos sprechen Schülerinnen und Studierende direkt an, oft in einem lockeren Ton.
Kurzvideos für soziale Netzwerke
Kurze, vertikale Clips mit einer einzigen Botschaft: ein Blick hinter die Kulissen, eine Antwort auf eine häufige Bewerberfrage, ein Moment aus dem Arbeitsalltag.
Interviews mit Führungskräften
Führungskräfte erklären, was ihnen im Team wichtig ist und welche Menschen sie suchen. Das schafft Transparenz und senkt die Hemmschwelle für Bewerbungen.

Ein Employer-Branding-Video Schritt für Schritt planen
- Zielgruppe festlegen: Wen willst du erreichen? Auszubildende, IT-Fachkräfte, Pflegekräfte oder Führungskräfte brauchen unterschiedliche Ansprache.
- Arbeitgeberversprechen klären: Was macht dein Unternehmen als Arbeitgeber wirklich aus? Das Video muss dieses Versprechen einlösen.
- Protagonisten finden: Suche Mitarbeitende, die gern erzählen und für ihre Arbeit brennen. Zwinge niemanden vor die Kamera.
- Geschichte entwickeln: Ein gutes Video hat einen Anfang, einen Spannungsbogen und eine klare Botschaft.
- Produktion planen: Drehorte, Termine, Technik, Einwilligungen und Budget festlegen.
- Drehen: Gib den Protagonisten Zeit, sich an die Kamera zu gewöhnen. Spontane Momente sind oft die besten.
- Schneiden und versionieren: Erstelle aus dem Material verschiedene Längen und Formate für unterschiedliche Kanäle.
- Verbreiten und auswerten: Veröffentliche das Video gezielt und prüfe, wie es ankommt.
Das Employer-Branding-Video verbreiten
Ein Video, das niemand sieht, bringt nichts. Plane die Verbreitung schon vor dem Dreh.
- Karriereseite: Das Video gehört prominent auf die Karriereseite und zu passenden Stellenanzeigen.
- Soziale Netzwerke: Kurze Versionen für Instagram, TikTok, LinkedIn und YouTube erreichen unterschiedliche Zielgruppen.
- Mitarbeitende als Botschafter: Wenn die Protagonisten das Video teilen, erreicht es ihre Netzwerke, oft mit hoher Glaubwürdigkeit.
- Messen und Schulen: Auf Karrieremessen, in Schulen und Hochschulen sorgt das Video für Gesprächsstoff.
- Interne Kanäle: Auch die eigene Belegschaft freut sich, Kolleginnen und Kollegen im Video zu sehen. Ein Social Intranet oder das Mitarbeitermagazin eignen sich dafür.
Untertitel nicht vergessen
Viele Menschen schauen Videos in sozialen Netzwerken ohne Ton. Untertitel sorgen dafür, dass die Botschaft trotzdem ankommt, und machen das Video barrierefrei.
Erfolg des Employer-Branding-Videos messen
Ob sich die Investition lohnt, zeigt eine Auswertung nach einigen Wochen und Monaten. Schau dabei nicht nur auf Aufrufe, sondern auf Kennzahlen, die mit deinen Zielen zusammenhängen.
- Wiedergabedauer: Wie lange schauen Menschen zu? Brechen viele nach wenigen Sekunden ab, ist der Einstieg zu schwach.
- Interaktionen: Kommentare, Likes und geteilte Beiträge zeigen, ob das Video berührt.
- Klicks zur Karriereseite: Führt das Video Interessierte zu offenen Stellen?
- Bewerbungen: Steigt die Zahl passender Bewerbungen, besonders aus der Zielgruppe?
- Feedback im Gespräch: Frage im Vorstellungsgespräch, ob Bewerber das Video gesehen haben und was sie davon mitgenommen haben.
Budget und Produktion
Ein Employer-Branding-Video muss nicht teuer sein. Für soziale Netzwerke reichen oft ein gutes Smartphone, ein Ansteckmikrofon und etwas Licht. Für Karriereseite und Messen lohnt sich dagegen meist eine professionelle Produktion mit erfahrenem Team, das Protagonisten sicher durch den Dreh führt. Viele Unternehmen kombinieren beides: ein hochwertiges Hauptvideo und regelmäßige, selbst gedrehte Kurzclips.
Protagonisten gut vorbereiten
Nicht jeder fühlt sich vor der Kamera wohl. Gib Mitarbeitenden vorab die wichtigsten Fragen, aber keine auswendig gelernten Texte. Ein kurzes Vorgespräch, ein vertrauter Drehort und ein Team, das Ruhe ausstrahlt, helfen enorm. Zeige den Protagonisten das fertige Video vor der Veröffentlichung und kläre, was passiert, wenn jemand das Unternehmen später verlässt.
Plane außerdem, das Video regelmäßig zu aktualisieren. Teams verändern sich, Standorte werden umgebaut, und neue Berufe kommen hinzu. Ein veraltetes Video mit längst ausgeschiedenen Mitarbeitenden schadet mehr, als es nützt.
Die Geschichte hinter dem Employer-Branding-Video
Die stärksten Videos erzählen keine Firmengeschichte, sondern die Geschichte eines Menschen. Eine Pflegekraft, die nach der Ausbildung geblieben ist, weil das Team zusammenhält. Ein Quereinsteiger, der mit vierzig noch einmal neu angefangen hat. Eine Auszubildende, die schon im zweiten Jahr ein eigenes Projekt verantwortet. Solche Geschichten bleiben im Kopf, weil Zuschauer sich darin wiedererkennen.
Bewährt hat sich ein einfacher Aufbau: Zuerst stellt sich die Person vor und zeigt ihren Arbeitsplatz. Dann folgt eine Herausforderung oder ein besonderer Moment aus dem Alltag. Zum Schluss erzählt sie, was sie am Unternehmen schätzt und wem sie den Job empfehlen würde. Dieser Bogen funktioniert in neunzig Sekunden genauso wie in dreißig.
Ehrlichkeit zahlt sich aus
Viele Unternehmen scheuen sich, auch anstrengende Seiten eines Jobs zu zeigen. Dabei schafft gerade das Vertrauen. Wer Schichtarbeit, körperliche Belastung oder hohen Termindruck offen anspricht und zeigt, wie das Team damit umgeht, zieht Bewerber an, die wirklich passen. Das senkt die Zahl der Abbrüche in der Probezeit und spart am Ende viel Geld.
Das Employer-Branding-Video als Teil der Strategie
Ein einzelnes Video ist ein guter Anfang, entfaltet seine volle Wirkung aber erst als Teil einer langfristigen Strategie. Plane Videoserien, die regelmäßig neue Einblicke geben, und verknüpfe sie mit Karriereseite, Stellenanzeigen, Recruiting-Events und Pressearbeit. So entsteht nach und nach ein stimmiges Bild deines Unternehmens als Arbeitgeber, das Bewerber auf allen Kanälen wiedererkennen. Wie Agenturen dabei unterstützen können, erfährst du in unserem Beitrag zur Recruiting-Agentur.
Rechtliches vor dem Dreh klären
Hole von allen Mitwirkenden eine schriftliche Einwilligung ein, die Kanäle, Dauer und Zweck der Nutzung nennt. Achte bei Drehs im Betrieb darauf, dass keine vertraulichen Unterlagen, Kundendaten oder Bildschirminhalte im Bild sind. Musik im Video braucht eine passende Lizenz, auch in sozialen Netzwerken. Wer diese Punkte früh klärt, vermeidet Ärger nach der Veröffentlichung und kann das Material lange nutzen.
Bitte außerdem Personal- und Fachabteilung, das fertige Video vor der Veröffentlichung anzusehen. So stellst du sicher, dass alle Aussagen zu Arbeitszeiten, Leistungen und Entwicklungsmöglichkeiten stimmen.
Typische Fehler beim Employer-Branding-Video
- Hochglanz statt Wahrheit: Zu perfekte Bilder wirken gestellt. Bewerber merken, wenn die Realität anders aussieht.
- Austauschbare Aussagen: „Bei uns ist es familiär“ sagt jeder. Zeige konkrete Beispiele.
- Zu lang: Für soziale Netzwerke sind oft wenige Sekunden entscheidend. Komme schnell auf den Punkt.
- Fehlende Einwilligungen: Alle erkennbaren Personen müssen der Veröffentlichung zustimmen.
- Keine Handlungsaufforderung: Am Ende sollte klar sein, wo man sich bewerben kann.
Fazit: Bewegte Bilder für eine starke Arbeitgebermarke
Ein Employer-Branding-Video zeigt, was Stellenanzeigen nur behaupten. Es lässt echte Mitarbeitende zu Wort kommen, vermittelt Atmosphäre und hilft Bewerbern, die richtige Entscheidung zu treffen. Entscheidend sind Ehrlichkeit, eine klare Zielgruppe, eine gute Geschichte und eine durchdachte Verbreitung. Dann wird das Video zu einem der stärksten Werkzeuge im Wettbewerb um Fachkräfte.
Grundlagen zum Thema findest du im Lexikoneintrag zum Employer Branding, aktuelle Zahlen zur Mediennutzung in der ARD/ZDF-Onlinestudie und Informationen zum Arbeitsmarkt bei der Bundesagentur für Arbeit.
Häufige Fragen zum Employer-Branding-Video
Was ist ein Employer-Branding-Video?
Ein Employer-Branding-Video zeigt ein Unternehmen als Arbeitgeber. Echte Mitarbeitende berichten von ihrer Arbeit, ihrem Team und der Unternehmenskultur, um passende Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen.
Wie lang sollte ein Employer-Branding-Video sein?
Für die Karriereseite sind ein bis zwei Minuten ein guter Richtwert. Für soziale Netzwerke eignen sich kurze Clips von 15 bis 60 Sekunden, die schnell auf den Punkt kommen.
Wer sollte im Employer-Branding-Video vorkommen?
Echte Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen, Altersgruppen und Karrierestufen. Sie wirken glaubwürdiger als Schauspieler und zeigen die Vielfalt im Unternehmen.
Wo veröffentlicht man ein Employer-Branding-Video?
Auf der Karriereseite, bei Stellenanzeigen, in sozialen Netzwerken wie LinkedIn, Instagram, TikTok und YouTube, auf Messen sowie in internen Kanälen.
Was kostet ein Employer-Branding-Video?
Das reicht von geringen Kosten für selbst gedrehte Smartphone-Clips bis zu mehreren tausend Euro für professionelle Produktionen. Entscheidend ist eine gute Idee und echte Menschen.
